Wie alles begann...

In Bearbeitung!

Im Oktober 2013 sitze ich in meinem Büro und beschäftige mich mit Dragon Dreaming, einem neuen Weg, der Menschheit dienende Projekte unglaublich erfolgreich zu machen. Als ich so googele, stoße ich auf XING auf eine Frau, deren Profil mich interessiert. Sie hat ähnliche Interessen wie ich, hat im Umweltschutz gearbeitet usw. Ich schreibe Sie einfach mal an. 

Abends habe ich mich für ein erstes Treffen einer Kölner Gruppe zum Thema "Art of Hosting", einem Weg, gute Gespräche in Gruppen zu ermöglichen, angemeldet. Es kommen acht Personen, einen kenne ich entfernt. Im Laufe der Vorstellungsrunde stellt sich heraus, dass Tina ebenfalls da ist, die Frau, der ich morgens gemailt hatte. Was für ein Zufall! 

Eine Woche später leitet Tina mir eine Mail weiter, in der Mitarbeiter von Fairtrade in Bonn für den nächsten Tag Freunde und Bekannte einladen zu einem Treffen mit drei Kogi. Wer sich mit den Kogi beschäftigt hat, weiß, dass sie eigentlich keinen Kontakt zu uns suchen und dies eine einmalige Gelegenheit ist. Zufällig kann ich zeitlich, zufällig habe ich zwei Bücher über die Kogi gelesen. Eines davon, "Der Weg der neun Welten", gibt es auch hier im Shop.

Am nächsten Abend sitze ich in einem trostlosen Raum bei Fairtrade mit rund 25 Personen und es erscheint Máma José Gabriel mit zwei Begleitern. Sie zeigen einen endlos langen Marketingfilm über ihr Kaffeeprojekt, erzählen über ihre Welt und erklären uns die Botschaft der Hüter der Erde. Sie haben ein wenig Kaffee mitgebracht, er schmeckt gut - aber ich habe damals noch überhaupt keine Ahnung von Kaffee. Als einziger ist mein Spanisch so schlecht, dass exklusiv für mich ein Dolmetscher ran muss. Trotz all meiner Urlaube in Mittelamerika, meiner Auszeit in Mexiko und einer kolumbianischen Ex-Frau sind meine paar Sätze Spanisch verschwunden. 

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Rechts unten in der Ecke das Blaue, das bin ich...

Als alter Schamane will ich natürlich viel mehr wissen und diese Möglichkeit, einen echten Kogi zu sehen, fasziniert mich. Máma José Gabriel war mit Unterstützung von Freunden drei Tage auf der ANUGA, der größten Nahrungsmittelmesse der Welt gewesen. Die drei sind in Kolumbien ohne jeden großen Plan oder Terminkalender losgeflogen, um einen geeigneten Partner für eine Zusammenarbeit in Deutschland zu finden. Sie sprachen mit Darboven, Tchibo, der Gepa und wie sie alle heißen, so gut es eben ging, denn sie sprechen nur spanisch. Heute ist ihr letzter Tag, morgen geht es zurück nach Kolumbien.

Dann berichtet er über das Projekt Café Kogi. Sie haben verschiedene Gespräche geführt und dies ist ihr letzter Abend. Die Fachleute von Fairtrade kommen und gehen, sie bekommen zu hören, dass die Kogi nicht vorhaben, Bedingungen für ein Fairtrade- oder Bio-Siegel zu erfüllen. Sie sagen: Wir leben seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur. Wir benutzen keine Pestizide, keinen Dünger. Wir wissen, wie man nachhaltig produziert. Ihr aber ruiniert die Erde. Warum sollten wir uns von Euch zertifizieren lassen?

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Wer je einen Máma erlebt und hat sprechen hören, weiß, welches Charisma von ihnen ausgeht. Ihr Lebenszweck ist es, mit ihrer Weisheit das Gleichgewicht unserer Welt zu erhalten. Ich bin fasziniert von diesem kleinen Mann, der mit zwei Umhängetaschen loszog um seine Kultur zu retten und uns die Leviten zu lesen. Irgendwie fehlt mir offensichtlich auch eine Portion Abenteuer in meinem Leben…

Und zum Ende des Abends sehe ich mich nach vorne gehen, die Dolmetscherin im Schlepptau, und höre mich sagen, dass ich bei dem Projekt mitmachen will. Die Verständigung ist schleppend und schwierig. Ich habe keine Ahnung vom Kaffeegeschäft - und die Kogi, wie sich später herausstellt, auch nicht. Ich habe zwar keine Ahnung, andererseits ist eine meiner Stärken gerade, Dinge neu aufzubauen und zu strukturieren. So richtig begeistert scheinen die drei allerdings nicht, ich kann noch nicht wissen, dass Kogi grundsätzlich eher reserviert sind und insbesondere die Mámus sehr zurückgezogen leben und Freundschaften nur sehr vorsichti schließen. Sie haben noch einige Pfund Kaffee, die sie an die Teilnehmer verschenken, ich bekomme das letzte Paket  mit ungeröstetem Rohkaffee. Und dann sagen sie mit, dass ich herzlich eingeladen wäre, sie in der Sierra Nevada de Santa Marta zu besuchen. Na ja, denke ich, das bekommen wir doch mit den moderenen Kommunikationsmedien auch schneller hin...

Am nächsten Tag sitze ich mit meinem Beutel Rohkaffee in einer kleinen Rösterei in der Nachbarschaft. Dort ist gerade eine Delegation von Kaffeebauern aus Honduras zu Besuch, die sich alles erklären lassen. Irgendwann hat der Chef kurz Zeit und ich erzähle ihm von CAFÉ KOGI. Mehr oder weniger uninteressiert hört er sich die Geschichte an. Das wird nichts, merke ich schnell. Er verstand den spirituellen Aspekt des Projektes überhaupt nicht.

Nach einigem Mailverkehr mit Jorge Mario, dem Verantwortlichen nach außen für das Kaffeeprojekt, und dem (typisch deutschen) Versuch, Dinge auf die Distanz zu klären, sehe ich ein, dass ich nur vor Ort Klarheit erlangen werde. Denn immert wieder hieß es nur "Du musst hier hin kommen und sehen, wie wir in den Bergen leben. Nur dann kannst Du verstehen!" Und so begann meine erste Reise zu den Kogi, die ich im Januar 2014 mache. 

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Wenn ich zurück blicke, war es vielleicht schon 17 Jahre vorher kein Zufall, dass ich mit einem Freund als Backpacker in die Berge der Sierra Nevada de Santa Marta wollte, um die Ciudad Perdida zu besuchen. Die Ciudad Perdida liegt inmitten des Dschungels und ist nur über einen mehrtägigen Fußmarsch zu erreichen. Sie ist etwas kleiner als Macchu Picchu, aus historischer Sicht jedoch genauso wichtig – und mindestens so geheimnisvoll. Damals zogen wir dann es vor, auf eine kleine Insel zu fliegen, wo ich meine erste Frau kennen lernte. Irgendwann nach unserer Auswanderung nach Mexiko scheiterte dann 2000 die Ehe und ich ging zurück nach Deutschland.

Ein damals abenteuerlicher Tripp, der dann auch an der Gefährlichkeit der Gegend zu dieser Zeit scheiterte. Damals beherrschten die FARC, die Paramilitärs, die Guerilla, die Drogenbarone und das kolumbianische Militär das Land. Als wir bis nach Santa Marta, der Küstenstadt kurz vor dem Kogi-Land, gereist waren, rieten uns alle Kolumbianer nur bloß nicht weiter zu fahren. Unser Plan, die Ciudad Perdida, die verlorene Stadt, zu besuchen, wurde zu gefährlich.Zu viele Guerillas, Paramilitärs und Drogenbarone nutzten diese abgeschiedenen Täler für ihre Zwecke. Entführungen von Ausländern waren an der Tagesordnung. 

Wochen später finde ich in all meinen Texten und Fragmenten, die irgendwann einmal Bücher werden sollen, zwölf Seiten eines Buchanfangs, an die ich mich überhaupt nicht mehr erinnern kann. Da wandert ein Mann in die Berge der Sierra Nevada auf der Suche nach den Minca, einem dort zuückgezogen lebenden sagenumwobenen Volk... Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Eine Menge Zufälle, stimmt´s?

 

 

 

 

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