Warum ist CAFÉ KOGI der vielleicht nachhaltigste Kaffee der Welt?

Biodiversität, Nachhaltigkeit und andere Schlagworte sind in aller Munde. Kaum ein Kunde ist in der Lage, diese natürlich auch für das Marketing benutzten Begriffe zu prüfen. Wir sind bemüht, alle Informationen zur Verfügung zu stellen, die dies ermöglichen. Auf unserer Transparenzseite zeigen wir zum Beispiel, wie sich unsere Einkaufspreise zusammensetzen. Hier wollen wir auf den Anbau des Kaffees eingehen.

Was macht ihn so besonders, was machen die Kogi anders?


Bei Kaffee ist es wie bei allen modernen Lebensmitteln, die den Namen „Lebens“-mittel gar nicht mehr verdienen. Kaffee war einmal ein wild wachsender Baum inmitten eines komplexen Ökosystems. Im Zuge der ersten Kaffeeplantagen verschwand das den einzelnen Kaffeebaum umgebende Biotop. Übrig blieben Berghänge voller künstlich angepflanzter, praktisch gestutzter und genetisch veränderter Kaffeesträucher in Reih und Glied. Große Waldflächen wurden gerodet. Gezüchtet wurde hinsichtlich Widerstandsfähigkeit gegen die beiden wesentlichen Kaffeekrankheiten Kaffeerost und Kaffeekäfer, gegen Pestizidempfindlichkeit, für mehr Ertrag und mehr Ernten.

Im Zuge des Klimawandels wächst der Druck auf die Kaffeefarmer, denn die alten Lagen sind nun oft nicht mehr so gut für den Anbau von Kaffee geeignet. Neue aber gibt es nicht bzw. sind nicht leicht zu erschließen – und oft unbezahlbar.

Ökosysteme bestehen aus vielfältig miteinander vernetzten Bestandteilen der Flora, Fauna und der Erde. Ahnungslos entwickelte sich aus dem Wandel vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern und der Agrarrevolution des 18. Jahrhunderts eine biologische Konsequenz, die lange unbeachtet blieb. Nahrungsketten hängen so eng zusammen, dass jede Monokultur zu einer verhängnisvollen Schädigung der Biodiversität führt.

Die Kogi hingegen haben ihr altes Wissen bewahrt und gehen ganz anders an den Kaffeeanbau heran. Die Bezeichnung Anbau ist an sich schon irreführend, da sie den Kaffee gar nicht anbauen. Sie lassen die Natur machen, der Kaffee wächst so, wie er ursprünglich „früher“ wuchs, nämlich als Bestandteil eines komplexen Ökosystems im Wald.


Die Prinzipien der Kogi

Das agrarökologische System der Kogi ist komplex und nicht generalisierbar. Was es einzigartig macht, ist die von unserer Kultur unbeeinflusste Art, die wertvolles Wissen für uns in sich birgt. Der Rohkaffee „Café Teyuna“  wächst in Höhen bis zu 1.700 Metern. Etwa 1.600 Familien haben Kaffee auf ihrem Land. Die Ernte jeder Familie beträgt im Schnitt nur wenige Säcke. Der Anbau von CAFÉ KOGI basiert auf vier fundamentalen Prinzipien, die die Kogi auch von ihren Partnern akzeptiert sehen wollen.

Im Einklang mit der Natur

Die Aufrechterhaltung und Heilung der Natur ist das oberste Prinzip der Gemeinschaft der Kogi. Dieses Gesetz des Ursprungs wird „Ley de Sé“ genannt. Im Land der Kogi findet man keine konventionellen Kaffeeplantagen. Der Kaffee wächst mitten im Wald in Gemeinschaft mit anderen Bäumen und (Nutz-)Pflanzen, um das natürliche Gleichgewicht zu erhalten und so das Überleben der sozialen Gemeinschaft zu ermöglichen.

Auf den „guten“ Kaffeefarmen der konventionellen Kaffeebauern arbeitet man mit künstlich angepflanzten schnell wachsenden Schattenbäumen. Das, was die Kogi sich leisten, kann ein profitorientierter konventioneller Kaffeebauer leider angesichts der Weltmarktpreise für Kaffee auch gar nicht bieten. Fakt ist, dass die wundervolle Story der Kogi nur möglich ist, weil sie außerhalb unseres Geldsystems leben und nicht in Stundenlöhnen denken müssen.

Der Wald sieht wild aus, ist aber immer auch geplant. In die Natur eingegriffen wird so wenig wie möglich.  Die Pflege erfolgt auf Grundlage traditionellen Wissens von Fruchtfolgen, idealem Standort, der Kooperationen oder Disharmonien der Pflanzen und vielem mehr. Die vom Wald selbst erzeugte Biomasse, die Reste der Ernte und der Dung der Tiere sind der natürliche Dünger. Die Kontrolle von Schädlingsbefall und Krankheiten der Pflanzen erfolgt durch spirituelle Opfer an die Väter an verschiedenen heiligen Orten - Enzuama genannt. Zumeist vertrauen die Kogi in ihrer ganzheitlichen Landwirtschaft auf Heilpflanzen, das Wissen der Natur und die Botschaften, die sie aus der spirituellen Welt erhalten. Diese Art der Kommunikation ist uns so fremd, dass wir kaum nachvollziehen können, was dabei geschieht.


Alte Sorten

Bei den von den weißen Siedlern zurückgelassenen, verwilderten Kaffeepflanzen  handelte es sich zum Großteil um Arabica Tipica, die Varietät, die für den  milden kolumbianischen Kaffee steht, sowie um Arabica Caturra. Tipica ist eine ursprüngliche Varietät, wie sie aus dem äthiopischen Hochland stammt. Die heute von konventionellen Kaffeebauern bevorzugten Varietäten wie Castillo in Kolumbien sind widerstandsfähiger, werfen mehr Ernte ab und vertragen die eingesetzten Chemikalien besser. Aus Sicht der Mámos wurde den Kogi die Pflanze von den spirituellen Vätern geschenkt, um ihre Botschaft zu verkünden. Diese Botschaft lautet, dass es möglich ist, das Gleichgewicht sowohl auf materieller als auch auf spiritueller Ebene in der Produktion zu erhalten. Kurz nachdem die Kogi ihr Projekt CAFÉ KOGI initiiert hatten, wurde ihnen bereits geraten, neue und ergiebigere Sorten anzubauen. Doch sie stehen zu ihren alten Kaffeebäumen, denn diese sind die Väter der Bäume. Und von wem sollten die jungen Bäume lernen, wenn nicht von ihren Vätern? Alte Bäume werden geehrt und nicht gefällt. Ein Kogi würde auch nicht den Samen eines schönen Kaffeebaumes nehmen und an anderer Stelle säen. Samen fallen vom Baum und wollen dort wachsen, wo sie hinfallen. Sie wollen bei ihrer Familie bleiben. Die Gemeinschaft der Kogi hat sich sehr bewusst dafür entschieden, die alten Pflanzen und Arten trotz aller Ratschläge von Beratern und Fachleuten, nicht auszutauschen gegen eine andere Art, die vielleicht genetisch manipuliert wäre. Die Kogi wissen, dass der Umgang mit der Natur keine Frage der Technik und optimalen Ausnutzung, sondern eine Frage des Gleichgewichts ist.


Spiritualität und Qualität

Die Produktion von Nahrungsmitteln und alle mit dem Anbau von Kaffee verbundenen Tätigkeiten sind für die Kogi spirituelle Handlungen. Die Produktion des Kaffees wird insofern fortwährend von den Mámos begleitet. Jeder Arbeitsschritt ist untrennbar mit dem spirituellen Denken der Kogi verbunden. Zu jeder Phase des Wachstums der Früchte werden – in der Regel nichtmaterielle – Opfer für die spirituellen Väter als Dank dargebracht. Jeder Verarbeitungsschritt wird von den Mámos überwacht und begleitet. Selbst im Hafen von Cartagena zelebriert ein Máma noch ein abschließendes Ritual zum Schutz der Bohnen auf der Reise. Wenn Schädlingsbefall droht, ist dies für die Kogi ein Zeichen, dass die Natur nicht im Gleichgewicht ist. Durch Rituale und Opfer versuchen sie anschließend auf einer geistigen Ebene das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Geerntet werden per Hand ausschließlich die reifen Früchte, die noch am gleichen Tag in kleinen, mobilen, gusseisernen und handbetriebenen Mühlen vom Fruchtfleisch befreit werden. Jede Kaffee anbauende Familie wurde mit einer dieser „Beneficios“ ausgerüstet, denn Kaffeekirschen müssen direkt vor Ort verarbeitet werden. Die Bohnen verbleiben danach für etwa 12 Stunden in wassergefüllten Tanks mit ständigem Wasseraustausch und fermentieren dort. Im Gegensatz zu vielen anderen Kaffeeanbaugebieten gibt es keine Wasserprobleme, es gibt mehr als genug Wasser in den Bergen. Im Anschluss werden die Bohnen nochmals mit frischem Quellwasser gewaschen. Getrocknet wird der Kaffee ausschließlich durch die Sonne, dies geschieht auf Decken und Tüchern durch den anbauenden Bauern. Die Bauern bringen den Kaffee dann zu lokalen Sammelstellen, die bis zu 10 Stunden Fußweg auf engen Bergwegen durch den Dschungel mit Eseln und Maultieren als Träger der Säcke erfordern. Noch hat der Kaffee das feine Pergamenthäutchen (Pergamentkaffee).

Da die Ernte zum Ende der Regenzeit stattfindet, haben die Bohnen eine hohe Restfeuchte, die erst in der Sammelstelle, der Bodega in Mingueo nahe der karibischen Kleinstadt Dibulla, auf einer Trockenfläche reduziert wird. Dort. In Mingueo wird die Ernte zusammengeführt und weiter verarbeitet zudem gibt es ein kleines Labor zur Qualitätsanalyse.


Kontrolle und Partnerschaft

Das Wachstum des Projektes erfolgt nach Tälern, den Cuencas. Jedes Tal ist eine Art eigener Bezirk und die Bewohner entscheiden, ob sie sich dem Projekt anschließen wollen. Angesichts des sich andeutenden Erfolges von CAFÉ KOGI wollen mehr und mehr Kogi bei diesem ihre Autonomie festigenden Projekt mitmachen. Die indigene Organisation „Resguardo Kogui Malayo Arhuaco“ ist verantwortlich für die Begleitung des Anbaus bei den lokalen Gemeinschaften. Sie sammelt den Kaffee, vertreibt ihn in unterschiedlichen Qualitäten und Verarbeitungsstufen als Pergamino (Pergamino, ist der noch von seiner Pergamenthaut umhüllte Rohkaffee), Supremo, Excelso und für den kolumbianischen Markt auch geröstet. Es wird größter Wert darauf gelegt, alle Produktionsschritte selbst kontrollieren und beeinflussen zu können. Die Kogi arbeiten ausschließlich mit Partnern, die ihre Einstellung teilen und denen sie vertrauen können. Viele Entscheidungen werden getroffen, indem die Máma einen Stein in eine mit Wasser gefüllte Kürbisschale gleiten lassen und anhand der Blasenbildung sehen, was richtig ist. Vertrauen ist enorm wichtig bei derartigen Projekten, denn wie sonst sollte ein deutscher Partner Dinge im weit entfernten Kolumbien wirklich überprüfen? Der Rohkaffee wird zu 60 Prozent vorab bezahlt, denn nur so können die Kogi den Rohkaffee von den Familien aufkaufen. Rein rechtlich gesehen gibt es separate Parteien in der Produktionskette, doch in der Welt der Kogi ist dies eine feste Partnerschaft. Zhigoneshi, das Prinzip der gegenseitigen Hilfe, steht über allem. In den Augen der Kogi geht die Partnerschaft von den Kaffeebäumen über die Kogi und ihre Partner bis hin zum Kaffeetrinker.

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